Anne Sewcz
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Bei Anne Sewcz zeigen sich Veränderungen, Skulptur freier zu begreifen, am deutlichsten. Die 1958 in Schwerin geborene Bildhauerin studierte in Berlin-Weißensee. Bereits in Marmorarbeiten wie „Gestürzter“ von 1986 zeigt sich eine starke Geometrisierung der Figur. Stürzende sind als kunstgeschichtliches Motiv vor allem durch Lehmbruck geprägt. Anne Sewcz findet neue gestalterische Ausdrucksformen. Die siebenteilige, verschieden kombinierbare Arbeit „Fall“ von 1996 veranschaulicht die Suche nach Wegen, sich von der realitätsgebundenen Wiedergabe der Figur zu lösen, wobei Hauptthema ihres Schaffens, so die Künstlerin, „die menschliche Figur bleibt als Träger von Gefühlen und Mythen“. Anne Sewcz findet eine Balance zwischen freier geometrischer Form und assoziativen Bezug zur menschlichen Figur. Skulpturen werden von ihr in mehrere Teile zerlegt, die durch ihre Anordnung im Raum miteinander in Beziehung treten, wobei dir Konstellation der einzelnen Teile sich in veränderten räumlichen Situationen neu fügen kann. Dieser kommunikative Aspekt bringt eine neue Dimension in ihre Arbeiten. Titel wie „Fall“ ziehen auf eine existentielle Situation, die von jedem unterschiedlich empfunden wird. „Der Mensch im Verhältnis zur Welt, oder die Welt im Menschen ist Mittelpunkt meiner künstlerischen Auseinandersetzung“, so Anne Sewcz. Damit eröffnet sie Freiräume für eigene Interpretationen und Deutungen ihrer Plastiken. Raumbeziehungen stellen das eigentliche Thema der Künstlerin dar. Bei allen Arbeiten sucht sie nach der „materialspezifischen Formulierung“ ihrer Ideen.

aus „Genus Artis", 2000 , Beitrag von Kornelia Röder

Fall, 1996, Beton
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 Christoph Tannert (1986)